Ich erinnere mich, als wĂ€re es gestern gewesen. Wie ich erste zaghafte Versuche in der PortrĂ€tfotografie unternahm. Wie die Shooting-Anfragen immer zahlreicher wurden. Und wie ich dachte, es sei eine gute Idee, ein Gewerbe anzumelden. Jetzt, exakt 10 Jahre spĂ€ter, habe ich mein Gewerbe wieder abgemeldet. Weil die Shootings immer seltener wurden. Und weil noch weniger Menschen bereit waren, fĂŒr Fotos zu bezahlen. Wirklich schade.
Mein Plan war, mit der Fotografie genug Geld zu verdienen, um meine Arbeitszeit reduzieren zu können. TatsĂ€chlich bin ich mit der Fotografie nie aus den roten Zahlen herausgekommen. FĂŒhle ich mich deswegen wie ein Versager? Sicherlich. Aber wie es sich fĂŒr einen echten, von Natur aus unfehlbaren Mann gehört, wĂŒrde ich das niemals öffentlich zugeben. Allerdings frage ich mich schon, ob die ausbleibenden Shootings mit der QualitĂ€t meiner Fotos zusammenhĂ€ngen. Oder gar mit mir als Mensch. Ich habe keine Ahnung. Und werde es wohl auch nie erfahren.
Was ich jedoch weiĂ, ist, dass das Finanzamt es gar nicht gerne sieht, wenn man ein Gewerbe anmeldet, aber keinen Gewinn damit erzielt. Dementsprechend groĂ waren meine BefĂŒrchtungen, dass es nach der GeschĂ€ftsaufgabe und der finalen SteuererklĂ€rung zu einer entsprechenden Nachzahlung kommen wĂŒrde. Und ich sollte Recht behalten. Der aktuelle Steuerbescheid ist inzwischen eingetrudelt. Vier Wochen habe ich nun Zeit, den offenen Betrag zu begleichen. Zum GlĂŒck fiel die Nachzahlung niedriger aus, als ich erwartet hatte. Um genau zu sein, muss ich einen (in Zahlen: 1) Euro nachzahlen. Ich bin optimistisch, den Betrag ohne Aufnahme eines Kredits zusammenzubekommen.
Dass ich mein Gewerbe abgemeldet habe, bedeutet ĂŒbrigens nicht, dass ich die Fotografie an den Nagel hĂ€nge. Meine Kamera wird mich auch weiterhin tĂ€glich begleiten. Und wenn es sich ergibt, werde ich auch weiterhin PortrĂ€ts fotografieren. Ich werde Menschen aber nicht mehr hinterherrennen. Die Fotografie wird fĂŒr mich kĂŒnftig also ein reines Hobby aus SpaĂ an der Freude sein. Aber hey, das muss ja nichts Schlechtes sein.